Erste Proben für „Ball im Savoy“

SIRNACH Die neue Produktion der Operette SIrnach heisst „Ball im Savoy“. An einer ersten Probe lernten knapp 40 Interessierte Sängerinnen und Sänger die schmissigen Lieder von Paul Abraham kennen.

Eine Begrüssung wie nach den Ferien. Lange nicht mehr gesehen, freudiges Wiedersehen, kollegiales Schulterklopfen. Es ist schon eine Weile her seit der Dernière von „Maske in Blau“, der letzten Produktion im Jahr 2016. Nun nimmt man wieder Anlauf für eine neue Zeit des gemeinsamen Singens und Probens auf der Dreitannen-Bühne.
An diesem sommerlichen Montagabend im Pfarreizentrum geht es derweil erst einmal um ganz Rudimentäres. Noten verteilen, das zum Teil neu besetzte OK vorstellen, Regeln durchgeben: Wer jetzt schon weiss, dass er wegen Skiferien an einer Aufführung nicht teilnehmen kann, macht am besten erst gar nicht mit, denn es zählt jeder Einzelne.

Foxtrot und Tango
Für Dirigent Andreas Signer ist es die erste musikalische Gesamtleitung: Er hat den Dirigentenstab von Martin Baur übernommen. Ein Unbekannter ist er nicht mehr, in „Maske in Blau“ hatte er Baur bereits vertreten und Aufführungen dirigiert. Dennoch erzählt er von seinen Ausbildungen und Anstellungen, von seinem privaten Umfeld.

Die Noten sind überschaubar, die Lieder bewegen sich im Ball-Milieu: Foxtrott, Tango. „Heute geht es nur darum, dass Ihr die Musik kennenlernt“, führt Signer in seine Probenarbeit ein. Die Melodieführung der einzelnen Stimmen klingt noch etwas ungewohnt, doch bereits beim ersten vierstimmigen Singen fügt sich alles zu einem ungemein beschwingten und frechen Lied zusammen. „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehn“ macht sich bereits als Ohrwurm verdächtig.

Art Déco und Bauhaus
Die Zeit bis zur Premiere scheint noch lange, dennoch ist auch bereits Kostümbildnerin Jacqueline Kobler anwesend. Der Reihe nach gehen die Sängerinnen und Sänger während der Probe hinaus zu ihr, lassen sich fotografieren, Mass nehmen. Nebst den üblichen Massen wird auch der Kopfumfang gemessen, es wird kontrolliert, ob Ohrlöcher vorhanden sind, die Lieblingsabsatzhöhe abgefragt. Kostüme und Bühnenbild werden im Umfeld der 20er-Jahre sein, Art Déco, Bauhaus, viel schwarz- weiss. Ein erstes Bild der Bühne, das Produktionsleiterin Florence Leonetti in der Pause präsentiert, ruft bereits ein begeistertes „Ooooh“ hervor.

Liebe und Missverständnisse
Die Handlung von „Ball im Savoy“ ist nicht anspruchsvoll, höchstens verwirrend - dafür umso unterhaltsamer, denn die Verwicklungen um Liebe und Missverständnisse geben Raum für zahlreiche Slapsticks und vergnüglichen Spass. Für die Regie konnte wieder Leopold Huber gewonnen werden. Die Premiere von „Ball im Savoy“ findet am Samstag, 12. Januar 2019, im Dreitannen-Saal statt. Der Vorverkauf beginnt im Herbst (operette-sirnach.ch).

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Ball im Savoy: Liebe und Lust zwischen Tango und Jazz

Anfangs Jahr wurde die Stückwahl der Operette Sirnach für die nächste Saison präsentiert: Mit dem „Ball im Savoy“ von Paul Abraham wird ab Januar 2019 die Serie von modernen und zugleich traditionell ausgerichteten Operetten aus den 30er Jahren fortgesetzt. Mittlerweile stehen die künstlerische Leitung und das Sujet fest – Zeit für ein Zwischenresümee.

Der Kern des Stücks widmet sich der wichtigsten Nebensache der Welt: der Liebe – gepaart mit Eifersucht, Herzschmerz und flammenden Bedürfnissen. Die Verwechslungskomödie kreist um Seitensprung, Treue, Doppelmoral und hinterfragt das vermeintliche Eheglück. Der Librettist Alfred Grünwald verstand es exzellent, Handlung und Revue miteinander zu verbinden. „Ball im Savoy“ bietet Situationskomik, halsbrecherische Story-Wendungen und ein einmaliges Revuefeuerwerk. Die Operette wurde im Dezember 1932 uraufgeführt und galt als absoluter Hit. Drei Monate später wurden die Aufführungen durch die neuen Nationalsozialistischen Machthaber verboten.

Der Wendepunkt zum Musical
Dass das Stück den Nazis missfallen würde, war abzusehen: Mit den jazzigen Elementen hatte Abraham eine Revue geschaffen, die für Modernität und Weltoffenheit stand. „Ball im Savoy“ ist die letzte freizügige Operette einer Zeit, die zu Ende geht. Unter dem Einfluss der amerikanischen Revue und des Films veränderten sich in den 20er Jahren sowohl die Handlungskonstruktion wie auch die musikalische Architektur der Operette. Die 3-aktige Form wurde aufgelöst, die Erzählweise filmisch – die Grundlage für den Musikfilm und das Musical war geboren.

Die künstlerische Leitung steht fest
Bereits sind alle Schlüsselstellen für die anstehende Saison besetzt: Mit Leopold Huber, Regie, und Florence Leonetti, Produktionsleitung, engagieren sich zwei alte Operettenhasen für eine erfolgreiche Realisation. Mit Andreas Signer konnte ein junger Dirigent für die musikalische Leitung gewonnen werden. Er tritt die Nachfolge des langjährigen Verantwortlichen Martin Baur an und weiss, dass es sehr grosse Fussstapfen zu füllen gilt. Dazu Otto Noger, Präsident der Operette Sirnach: “Martin Baur hat immenses für die Operette Sirnach geleistet. Aufgrund der langjährigen Verdienste, und mit viel Respekt gegenüber dem Geleisteten, wurde auch er in den Findungsprozess mit eingebunden.“ Der Vorstand ist überzeugt, dass mit Andreas Signer der ideale Nachfolger gefunden wurde.