Im weissen Rössl, Sirnach 1958

IM WEISSEN RÖSSL

Operette von Ralph Benatzky

Das Libretto stammt vom Komponisten zusammen mit Hans Müller-Einigen und Erik Charell. Die Liedtexte stammen von Robert Gilbert,  musikalische Einlagen von Bruno Granichstaedten, Robert Gilbert und Robert Stolz.
Uraufführung: Berlin 1930
Aufführungsrechte: Felix Bloch Erben GmbH, Berlin
Vertretung für die Schweiz: Musikverlag u. Bühnenvertrieb Zürich AG, Zürich

1. Akt

Im Hotel Zum weißen Rössl ist Hochsaison. Das Personal ist überfordert, Zahlkellner Leopold beruhigt die Gäste. Weniger Erfolg mit seinem Charme hat er bei seiner Chefin Josepha Vogel Huber, bei der er Annäherungsversuche macht. Diese jedoch weist ihn zurück:  Sie ist verliebt in den Berliner Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler, einen langjährigen Stammgast, der für den Nachmittag erwartet und dann herzlich von ihr begrüßt wird. Sein Erscheinen wird auch von einem anderen Gast ungern gesehen: Der Fabrikant Wilhelm Giesecke, nur auf Drängen seiner Tochter Ottilie hier im Urlaub und von Josepha  nur unzureichend für die Gegend begeistert, hat gegen ihn und dessen Mandanten, seinen Erzkonkurrenten Sülzheimer, einen Prozess  verloren. Töchterchen Ottilie hindert dies jedoch nicht, den Avancen Siedlers nachzugeben. 

2. Akt

Leopold weigert sich, die Blumen von Josepha auf das Zimmer Dr. Siedlers zu bringen, und gesteht ihr seine Liebe. Sie streiten sich, und Leopold wird gekündigt. Inzwischen ist auch der Sohn des Fabrikanten Sülzheimer eingetroffen, der sich im Zug dorthin in das lispelnde Klärchen verliebt hat . Da sich als Gast auch noch Kaiser Franz Joseph I. ankündigt, ist Josepha gezwungen, Leopold wiedereinzustellen, um genug Personal zu haben. Als er jedoch den Kaiser begrüßen soll, kommt es fast zum Eklat: Josepha erscheint am Arm von Dr.  Siedler, und der eifersüchtige Leopold gerät in Rage. 

3. Akt

Der Kaiser spricht mit Josepha. Er hat die Verwirrungen durch- schaut und rät ihr, lieber mit dem Möglichen zufrieden zu sein, als nach Träumen zu streben. Josepha erkennt, dass Leopold sie auf- richtig liebt, und überreicht ihm unter dem Vorwand, ihn wegen des gestrigen Skandals erneut entlassen zu wollen, ein überraschendes Zeugnis: „Entlassen als Zahlkellner, aber engagiert auf Lebensdauer als Ehemann“. Inzwischen hat Giesecke versucht, seine Tochter mit dem Sohn seines Konkurrenten zu verkuppeln, doch hat sie längst den Antrag von Doktor Siedler angenommen. Zudem hat Sigismund Sülzheimer auch um die Hand Klärchens angehalten. Der brummige 
Fabrikant muss dies nun akzeptieren, was ihm durch ein Angebot von Sülzheimer zur Beilegung des Streits versüßt wird. Im Freudenge- sang der drei glücklichen Paare endet die Operette.

Musikalische Höhepunkte

- Aber meine Herrschaften, nur hübsch gemütlich
- Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden
- Im weißen Rössl am Wolfgangsee, da steht das Glück vor der Tür
- Im Salzkammergut, da ka’ mer gut lustig sein
- Die ganze Welt ist himmelblau
- Wenn es hier mal richtig regnet
- Zuschau’n kann i net
- Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist
- Mein Liebeslied muss ein Walzer sein
- Lasst uns Champus trinken mit lächelndem Gesicht

 

 


Gedanken zur Inszenierung von Regisseur Giuseppe Spina

Diese Operette von Ralph Benatzky ist zweifelsohne eine der erfolgreichsten und meistgespielten der Nachkriegszeit. Trotz eines  starken Lokalkolorits und heimatlichen Gefühlen, die durch das  Setting mit Wirtshaus, Kuhstall, Bergen und See erzeugt werden,  bilden die Musik und die Handlung gleichzeitig auch das damalige Weltgeschehen ab: mit Tagestouristen aus verschiedenen Ländern,  Kurgästen mit Renommee und einem Auftritt des leibhaftigen  Kaisers Franz Joseph I.. In diesem Spannungsfeld von Provinz und Weltoffenheit bewegen sich auch die Figuren des Stücks, erfüllt mit Verliebtheit, Hoffnungen, Träumen, Ambitionen und Versagensängsten. Die Wirtin Josepha ist raubeinig, Zahlkellner Leopold schusselig/sympathisch, Dr. Siedler ein Charmeur…, kurzum gesagt: so einige Figuren-Klischees werden (gekonnt) bedient. Mir ist es jedoch ein Anliegen, dieser Operette und ihren Figuren einen frischen Anstrich zu verpassen.

Ich habe mich auch entschieden, die Handlung zeitlich in die frühen 1960er Jahre zu transferieren. Eine Zeit, in der die klassischen Rollenmuster zu bröckeln begonnen haben. Ich möchte starke, selbst- bewusste Frauencharaktere zeigen. Dafür steht auch die Entscheidung, die Figur des Wilhelm Gieseckes durch eine Frau, Wilhelmine Giesecke, zu ersetzen. Eine Fabrikantin, die das Geschäft ihres verstorbenen Ehemannes weiterführt. Der Charmeur Dr. Siedler muss sich abstrampeln, um Gieseckes Tochter Ottilie von sich zu über- zeugen, denn diese hat Optionen im Leben und wartet nicht einfach auf einen Prinzen auf einem Schimmel. Schliesslich soll mehr Tiefe und Glaubwürdigkeit in die Verbindung der Hauptfiguren Josepha und Leopold kommen. Eine schöne Herausforderung wird es auch sein, Humor und Spannungsbogen unter einen Hut zu bringen. Das Stück ist sehr süffig und hat eine hohe Dichte an Pointen. Man läuft rasch Gefahr, sich von einem Schenkelklopfer zum nächsten, von einer Schunkelmelodie zur anderen zu hangeln. Wenn das geschieht, geht man in der Regel als Zuschauer*in am Ende der Aufführung zufrieden raus, hat aber quasi nur konsumiert und nicht mitgelebt. Da würde wenig übrig bleiben von unserer Inszenierung in Sirnach.   

Eine Revolution in der Operettenwelt also? Ja und nein. Die Mechanik des Stücks, die Situationskomik, der Rhythmus, all diese Elemente werden durch diese Änderungen nicht revolutioniert, eher renoviert, sie erhalten, wie eingangs gesagt, einen frischen Anstrich. Für all das braucht ein Regisseur ein aussergewöhnlich experimentierfreudiges aber auch szenisch affines Ensemble. Beim Casting stand daher das schauspielerische Können auf der gleichen Stufe wie der Gesang. Ich darf sagen, die Voraussetzungen für das Gelingen dieses «Wagnisses» könnten nicht besser sein.

 

 

 

 

 

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