Danke Martin

Martin BaurDas Musikfieber muss Martin Baur schon in jungen Jahren befallen haben. 1967, als 14- jähriger Schüler, spielte er erstmals im Orchester der Operette Sirnach im „Vogelhändler“ sein Cello. Seinen Vater Hans Baur, welcher 1955 die Operette in Sirnach ins Leben rief, hat dies damals sicherlich mit enorm viel Stolz und Freude erfüllt.

Während des Studiums als Primar- und Sekundarlehrer blieb Martin der Musik treu und schloss ein anschliessendes Musikstudium mit dem Cello-Lehrdiplom ab. Es folgten Dirigenten- und Chorleiterkurse und 1977 die musikalische Leitung des Orchestervereins und der Theatergesellschaft Wil (heute Musiktheater Wil), mit welchen er während 14 Jahren mehrere Operetten und Konzerte aufführte. Übrigens: Dirigentenkarrieren nach einer Celloausbildung sind in der Musikszene nicht selten. Der bekannteste dieser Dirigenten war wohl Nikolaus Harnoncourt, welcher erst im Alter von 42 Jahren erstmals ans Dirigentenpult trat.

Auch 1983 spielte Martin Baur in der Operette „Csárdásfürstin“ Cello im Orchester. Nach dem unerwartet frühen Tod seines Vaters im Dezember 1983 dirigierte Martin einige Aufführungen als Ersatzdirigent. 1986 übernahm er die musikalische Leitung der Operette Sirnach und führte bis 2016 elf Produktionen durch. Dabei arbeitete er mit vier Präsidenten und ebenso vielen Regisseuren zusammen. Ein Highlight in diesen 30 Jahren musikalischer Leitung war sicher die Produktion «Eine Nacht in Venedig» im Jahr 2001: Sie durfte auch zweimal im Kongresshaus in Zürich aufgeführt werden.

Von 2001 bis 2013 leitete Martin Baur den Männerchor Sirnach. Sein Herz schlägt aber auch für die Jugend. Unermüdlich setzt er sich als Musiklehrer für die Jugendförderung ein. So gründete er 1981 an der Musikschule in Wil ein kleines Jugendorchester, welches sich bald zu einer beachtlichen Formation mit professionellen Ambitionen entwickelte. Nach wie vor feiert es nationale und internationale Erfolge. Mehrere ehemalige Mitglieder sind heute Berufsmusiker. Regelmässig hat Martin Baur talentierten Jugendlichen frühzeitig die Mitwirkung im Operettenorchester ermöglicht. Auch in der letzten Produktion „Ball im Savoy“ spielten im Orchester Musiker mit, die ihre Sporen im Jugendorchester abverdienten. Bestand die Möglichkeit einen Jugendchor im Stück zu integrieren, so gelang es Martin immer wieder junge Sängerinnen und Sänger zur Teilnahme an der Operette zu motivieren.

Das Engagement für die Operette Sirnach ging aber über die «ordentliche» Spielzeit hinaus. Denn immer wieder initiierte Martin auch Konzerte mit dem Operettenchor in den operettenfreien Jahren. Musikalisch und als Chorleiter erlebte man Martin Baur charismatisch, hochprofessionell und zielstrebig. Es gelang ihm stets Chor und Begleitung - seien das Pianisten, Cellisten oder ein ganzes Orchester - zum gewünschten Zeitpunkt mit einem letzten Schliff auf den perfekten musikalischen Punkt zu bringen. Unvergesslich 

bleiben die Auftritte in den Klöstern Birnau und Einsiedeln mit Jakub Jan Ryba’s Hirtenmesse und die Konzerte am Eidgenössischen Gesangfest in Weinfelden und beim Kantonalen in Sirnach. Auch mit dem Männerchor Sirnach erzielte er immer wieder die Höchstnote «vorzüglich».

Mit der Spielzeit 2019 wurde der Wechsel der musikalischen Leitung und der Abschluss der über 30-jährigen Ära Martin Baur in Sirnach vollzogen. Es bleiben schöne Erinnerungen bei den Mitwirkenden an unzählige Probe- und Aufführungsstunden sowie Martins Leidenschaft für die Musik; an all die Operetten und Konzerte, die Martin mit so viel Herzblut ermöglicht hat. Unvergessen bleiben auch die unzähligen Momente, wenn Martin jeweils mit dem weissen Schal ans Dirigentenpult trat und wir uns entspannt zurücklehnen und einfach geniessen durften.

Martin, wir danken dir sehr herzlich für deinen langjährigen, wertvollen Einsatz und dein professionelles und generationenübergreifendes Engagement für die Operette Sirnach!